Wachtmeister – Die Verwandlung

Der junge Herr Wachtmeister

Die folgende Geschichte ereignete sich nur wenige Wochen nach „Schatten seiner Selbst“ und ist somit der zweite Teil der Reihe:
„Die Leiden des jungen Wm.“.

Nun zur Geschichte:

Der junge Herr Wachtmeister fühlte sich in der letzten Zeit etwa seltsam. Es gab einige Gründe die den jungen Recken zum Nachdenken anregten.
Immer mehr Personen seiner Gefolgschaft sagten ihm, dass er sich verändert habe.

Natürlich, dachte der nachdenkliche Soldat, war die Abdankung seiner „Kommandantin“ nicht spurenlos an ihm vorübergegangen. Doch meinte der Soldat, er habe diese Angelegenheit schon überwunden.

Aber da der mutige Unteroffizier immer wieder zu hören bekam, dass er wieder normal werden solle weil er in letzter Zeit unausstehlich geworden war, beschäftigte ihn diese Thematik wieder mehr denn je und jede freie Minute seines harten Dienstalltages verbrachte er in tiefer Nachdenklichkeit.

Eines Abends, als der müde Herr Wachtmeister sich nach einem arbeitsreichen Diensttages, welchen dieser in einem zerstörten Bergdorfe verbrachte, in sein Bette legte, konnte er anfangs nicht zur Ruhe kommen.

Der nachdenkliche Soldat drehte sich von einer Seite seines Lagers zur anderen. Immer wieder ging er in Gedanken die Sätze seiner Gefolgschaft durch.

Habe er sich wirklich verändert?

Kurz vor Mitternacht schlief der ermattete Recke schließlich ein.
Der junge Herr Wachtmeister öffnete seine Augen.

Doch er war nicht in seinem weißen Daunenbette. Wo war er?
Der verwunderte Unteroffizier befand sich in einem düsteren, endlos erscheinenden, steinernen Gange.

Die grob aus dunklem Steine gebrochenen Bodenfließen und der grob aus dem Felsen gehauenen Wände des Tunnels gab dem Korridor eine kalte Aura. Der leicht fröstelnde Herr Wachtmeister konnte sogar beim Ausatmen seinem Odem erblicken.

Der kampferfahrene Waffenbruder entschloss sich den düsteren Gange zu folgen. Was würde ihn erwarten?

Nach ein paar Schritten ersah der verwunderte Unteroffizier Gefängniszellen. Diese säumte den Flur links und rechts. Die Gittertüren jeder Zelle standen weit offen.

Doch er konnte nicht sehen was sich im Inneren der Zellen befand. Obwohl der steinerne Tunnel von flackernden Petroleumlampen beleuchtet wurde, konnte er in den Zellen nur Dunkelheit erkennen. Verwundert und ratlos setzte der junge Soldat seinen Weg weiter fort.

Kilometerweit schien sich der Gewirr aus Tunneln und Wegen zu erstrecken. Überall befanden sich offene und dunkle Zellen. Es war nicht einmal das leiseste Geräusch zu vernehmen.

Sichtlich nervös ging der junge Recke weiter. Der Unteroffizier kam zu Kreuzungen, Abbiegungen und Treppen. Jeder Gang sah gleich aus. Überall war dasselbe Bild zu sehen.

Plötzlich erkannte der Soldat, dass er sich in einem Gefängnis befand. Doch für wen oder was wurde dieser Kerker angelegt?

Halb in Panik verfallen begann der verängstige Recke zu laufen. Er wollte unbedingt den Ausgang erreichen. Doch er fand keinen.

Der wachsame Soldat verdoppelte seine Laufleistung, als dieser hinter sich das Geräusch von schnell näherkommenden Schritten vernahm.

Das Geräusch von Schritten und ledernen Flügelschlägen war zu hören.
Wer oder was war sein Verfolger?
Der mutige Soldat bog bei der nächsten Biegung ab und erblickte vor sich eine steinerne, dunkle Mauer.

Er war in eine Sackgasse eingebogen.
Der junge Herr Wachtmeister blieb vor dem Wall stehen.
Plötzlich schien es so, als sei allen Lampen des Gefängnisses zur selben Zeit das Lampenöl ausgegangen.

Es herrschte komplette, undurchdringbare Dunkelheit.

Völlig in Panik drehte sich der junge Herr Wachtmeister zu seinem sich schnell nähernden Verfolger um. Der Soldat erschrak und blickte in zwei riesige, blaue Augen!
Den schweißgebadeten Recken riss es aus seinem Alptraume. Er war wach und sah nun in die düster schimmernden Augen einer seiner Katzen.
Diese lag ihm auf der Brust und beäugte ihn aufmerksam.

Dies Ritual führte diese Katze regelmäßig zur selben Uhrzeit aus. Es war 0600 Uhr und es war Zeit für den jungen Herrn Wachtmeister aufzustehen und sich auf seinen Dienst vorzubereiten.
Als er gerade die Katze von seiner Brust hochhob und sich in seinem Lager aufrichtete wurde ihm Einiges bewusst.

Er hatte seine Gefühle und Gedanken tief in sich versteckt. So tief in seiner Seele, dass es niemand sehen konnte. Nicht einmal er selbst.
Das Gefängnis in seinem Traum war nicht irgendeine Feste..
Es war sein Gefängnis.

Unterbewusst geschaffen um alle Gefühle für immer wegzusperren. Denn der Verlust seiner Vorgesetzten hatte ihn gebrochen.

Er hatte sich verändert! Aber, ob zum Guten oder zum Schlechten, dass wird sich mit der Zeit herausstellen.

Euer Gruppenkommandant