Hinterhofgeschäfte

Bevor der junge Herr Wachtmeister den Hinterhof betrat, hielt er kurz in seiner Bewegung inne, streifte seinen beigefarbenen Uniformrock faltenfrei und glättete sich mit seiner linken Hand jene Haare, welche der Wind zerzaust hatte.

In seiner Kinderstube wurde ihm dieses Verhalten anerzogen. Bevor er einen Raum betrat, in welchen er eine wichtige Entscheidung zu treffen hatte, korrigierte der adrette Herr Wachtmeister steht’s seine Adjustierung. Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

Der junge Unteroffizier setzte ein Lächeln auf und trat nun durch den gemauerten Torbogen hindurch. Er fand sich in einem staubigen Hinterhofe wieder. Alle Fenster und Türen waren verschlossen und die zahlreichen Stimmen welche er vor kurzen noch von außerhalb des Hofes vernommen hatte, waren verklungen.

Der forsche Unteroffizier ließ seinen Blick über die eingefriedete Fläche schweifen. Keine Menschenseele war zu erkennen. Nur am hinteren Ende vernehm der junge Recke eine Bewegung war. Er schritt auf die Gestalt zu, welche er auf der Veranda gesehen hatte. Der erfahrene Unteroffizier hielt am Treppenansatz kurz inne und ging in Gedanken nochmals seinen Auftrag durch und setzte schließlich einen seiner in schweren Lederstiefeln gebetteten Füße auf die unterste Stufe des Verandaaufganges.

Auf der hölzernen Veranda standen zwei alte Sessel und ein kleiner Holztisch auf welchem sich ein großer Papierstapel, mehrere Stifte und ein Rechenschieber befanden.

Die Person reichte ihm die Hand. Der Herr Wachtmeister erwiderte den Handschlag. Die Handfläche seines Gegenübers war kräftig, rau und voller Schwielen. Zweifellos ein Mann der Arbeit, welcher sein Gewerbe mit eigener Kraft aus dem sandigen Boden seines Heimatlandes gestampft hatte.

Der Mann mit dem sonnenverbrannten Gesicht wies dem jungen Herr Wachtmeister einen Sitzplatz zu. Der Recke nickte wortlos und nahm dort Platz.

Die Sonne erreichte ihren Höhepunkt und ihre heißen Strahlen fanden nun den Weg in den noch kühlen Hinterhof. Das gleißend helle Licht der Mittagssonnenstrahlen blendete beide Männer.

Der gebräunte Mann erhob sich von seinem Sessel und brüllte in der Sprache seines Landes Kommandos, welche der junge Herr Wachtmeister nicht verstand. Plötzlich war der Hof voller Bewegung.

In Windeseile wurde ein Sonnensegel aus weißem Segeltuch aus einem halb verfallenen Schuppen gezerrt und abgespannt. Anschließend verschwand die Meute wieder so schnell wie sie gekommen war. Alles was blieb war Stille.

Mehrere Augenblicke verstrichen bis der Arbeiter erneut seinen Mund öffnete. Aber diesmal war der Tonfall seiner Stimme ruhiger und enthielt weniger Strenge.

In der Sprache des Volkes, in dessen Land der abenteuerlustige Wachtmeister seinen Dienst versah und deren Worte er zum geringen Teil auch schon verstand, wurden zwei Tassen Kaffee geordert.

Umgehend erschien wie aus dem Nichts eine junge Maid und servierte zwei Tassen mit schwarzen Kaffee, eine kleine blecherne Kanne mit Ziegenmilch und einen kleinen Teller mit ein paar Stück Würfelzucker darauf.

Wieder wurden keine Worte gewechselt. Der nachdenkliche Herr Wachtmeister nahm einen Schluck aus der schlichten aus Keramik bestehenden Trinkschale. Am Rand war ein kleines Stück ausgebrochen.

Die schwarze Flüssigkeit schmeckte bitter auf seiner Zunge und floss heiß seine, vom Sand der Ebene, ausgetrocknete Kehle hinunter. Abermals untersuchte der junge Recke mit seinen Blicken den leeren Hinterhof, als der Arbeiter plötzlich mit seiner kräftigen Stimme die Stille unterbrach.

Nun zum geschäftlichen Teil, sagte der gebräunte Mann. Der adrette Herr Wachtmeister nickte zustimmend und nahm noch schnell einen großen Schluck des heißen Sudes, ehe er wieder seinen gegenüber fokussierte. Die geschäftlichen Angelegenheiten des Handels wurden besprochen, aber der Preise der zu verrichtenden Dienstleistung stieß beim diplomatischen Herrn Wachtmeister auf Ablehnung.

Zwei verschiedene Meinungen trafen aufeinander.

Der adrette Unteroffizier tat seine Bedenken über der Höhe des Preises kund. Der Mann wandte seinen grimmigen Blick vom Antlitz des eifrigen Herrn Wachtmeisters ab.

Vor sich hin murrend nahm der leicht gereizte Mann Papier und Stift zur Hand und verschob die Kugeln seines Zahlschiebers. Ein paar Augenblicke später verkündete der gebräunte Arbeitgeber das Ergebnis seines Rechenvorganges. Die Kosten für das Bauwerk, welches der junge

Unteroffizier zu errichten trachtete, wurden um eine Handvoll Goldmünzen gesenkt. Nachdenklich lehnte sich der dankbare Unteroffizier in seinem Sessel zurück und nahm noch einen großen Schluck des Bohnensudes. Das Gebräu war schon fast erkaltet und der bittere Geschmack war nun noch intensiver.

Der junge Recke stellte die nun leere Tonschale auf den dazu gehörigen Untersetzer. Der Herr Wachtmeister war einverstanden. Alles verlief nach Plan. Um den Handel zu besiegeln reichten sich die beiden Männer die Hände. Ein Handschlag unter Männern war mehr wert als die Wahlversprechen mancher Politiker.

Der zufriedene Unteroffizier verabschiedete sich vom Herrscher des Hinterhofs und zog verrichteter Dinge ab. Er schritt durch den gemauerten Bogen hindurch und ließ den staubigen Hof hinter sich.

Euer Gruppenkommandant