Eine Anekdote zu Spielfeld

Die nachfolgende Geschichte ereignete sich während des Zaunbaues zu Spielfeld. Inmitten unserer turbulenten Zeit und der andauernden Einwirkung negativer Informationen durch diverse Medien, habe ich es mir zur Pflicht gemacht über positive und schöne Ereignisse, welche sich durchaus ereignen, zu berichten.

Zum Autor:

Wer „Ich“ bin? Name und Dienstgrad ersichtlich. Halten wir uns nicht mit Belanglosigkeiten auf.

Nun zur Geschichte:

Es ereignete sich vor einigen Monaten, an einem schönen Tage, nahe der Grenze zu Spielfeld.
Meine Truppe und ich standen am Rücken eines Hügels, welcher vollends mit verdorrtem Laube des Buchenwaldes bedeckt war. Während einer kurzen Rast, passierte es.

Mein Blicke streifte über die malerisch schöne, hügelige Landschaft der Spielfelder Weinberge. Die Sonne schien hell und ihre warmen Strahlen schmeichelten meinem Gesicht. Am hellblauen Himmelsdache war keine einzige Wolke zu erspähen.  Soweit das Auge blicken konnte, ersah ich Hügel an Hügel gereiht. Einzig die Berge, welche sich weit entfernt am Horizont imposant vor den Hügeln auftürmten, konnten meiner Blicke Weitsicht Einhalt gebieten. Als plötzlich ein leises Geräusch die romantisch schöne Stille dieses Momentes unterbrach. Es war nicht das Geräusch des Stimmengewirres meiner Truppe, welches dumpf an meine Ohren drang.

Es war etwas ganz anderes. Auf meine Bitte hin, hielten meine Mannen, in ihren Gesprächen, einen Moment lang inne. In dieser kurzen Zeitspanne, welche mir vorkam wie eine Ewigkeit, vernahm ich das zuvor erwähnte Geräusch erneut. Ich versuchte, dieses Geräusch einzuordnen.
Dieses Geräusch war das leise Säuseln eines der kleinsten Lebewesen, welche den Wald als ihre Heimat bezeichnen. Es war das Säuseln einer Maus!

Ich wand meinen Blick ab von dieser schönen Kulisse und fokussierte, mit meinen Augen, nun Gottes Werk. Keinen Steinwurf weit entfernt, saß das kleine Geschöpf und genoss, gleich wie ich, die warmen Strahlen der Sonne.  Wie gebannt saß ich da, auch unter größter Mühe konnte ich mich nicht abwenden, untersuchte ich mit meinen Blicken dies Wesen.

Zwar ersah ich in meinem schon viele Jahre überspannenden Leben schon so manches Nagegetier, doch übte dies Wesen eine ganz neue, unbekannte Faszination auf meine Person aus.
Das braunfarbene Fell, welches den zierlichen Körper des Nagers überzog, deckte sich mit dem verdorrten herbstfarbenen Laube des umliegenden Gehölzes. Des Nagetiers rabenschwarze Augen hafteten an einem saftig, grünen, jungen Sämling, welcher sich gerade durch die braune Bodenbedeckung zu stoßen schien.  Gleich wie der Maus und meiner selbst, dürstete es auch dem jungen Kraute nach den warmen, lebenswichtigen Strahlen der Sonne. Die der Fixstern an diesem Tage reichlich auf unser aller Erdenrund schickte.

Die Gehöre des Nagetieres standen keinen Augenblicke lang still. Durchgehend sicherte das Geschöpf mit all ihr vom Schöpfer zur Verfügung gestellten Sinnesorganen, ihre ach so reich belebte und gefährliche Umwelt.

Ein Wunder, dass mein Gefolge und ich nicht bemerkt wurden.  Doch die lauten und lustigen Geplänkel meiner Untergebenen verschwanden sogar für meine Wenigkeit in den Hintergrund und vermischten sich mit der Kulisse der zahlreichen Geräusche des Forstes.
Das fröhliche Gezwitscher der Vögel, die Plaudereien meiner Mannen, das Schnauben der Rösser, das Knarren der Fuhrwerke und der gerade aufziehende Wind, welcher sanft durch der Bäume Kronen strich. Alle diese Geräusche vermengten sich zu einer sanften und leisen Melodie.
Die letzten Tage, welche wir in Spielfeld verbrachten, waren gezeichnet von großer Kälte und Sturm, weswegen dies kleine Geschöpfe wohl mehr Wert auf Essbares legte als auf mein Gefolge.
Trotzdem schien sich das Waldwesen nicht recht entscheiden zu könnten, wem es mehr Aufmerksamkeit schenken sollte.

Dies braunfarbene Tier war wohl so enorm vom Hunger getrieben, dass es den kleinen Kreis von Menschen in seiner Umgebung keinerlei Beachtung schenkte. Gott sei’s gedankt, des Wesens zierliche Ohren hielten nun inne. Behutsam näherte sich dies säuselnde Wesen dem zarten, grünen Gewächse.  Des Krautes Knospen schienen groß und saftig zu seien und würden der Feldmause zu einer vorzüglichen Mahlzeit gereichen.

Völlig Geistesabwesend oder gar von diesem Wurzeltriebe unter Hypnose gestellt –  so schien mir dies seltsame Verhalten des sonst so vorsichtigen Nagetiers.  Dies Getier schien durch und durch erstarrt von des Gewächses Antlitz. Es hatte den Anschein, dass sich weder das Haupt noch ein etwaig anderer Teil des Körpers des Tieres bewegten.

Mit aller Kraft, welche von dem Getier aufgeboten werden konnte, wurde die, zum Triebe gewordene Pflanzensaat, fokussiert. Einzig allein, die Haare des Mausesfells wogten leicht in der Brise des Windes, welcher gerade aufzuziehen begann.

Wie aus dem Nichts und ohne jegliche Vorwahrung wurde ein Sprunge von wahrlicher Schönheit und Eleganz, wie ich ihn noch nie zuvor so hautnah ersehen durfte, von dem Geschöpfe vollführt. Meine Augen hatten große Müh, den schnellen Körperabläufen des Nagers zu folgen.
Doch nun hielt der Körper inne. Gottes Werk stand vor dem grünen Halme und umklammerte diesen voller Inbrunst.

Die Maus war am Ort ihrer Vorstellung angekommen.  Das Kraut war erreicht und befand sich im festen Griffe des Nagers. Nun machte sich der kleine Säuger daran, sich an den Knospen zu laben.
Voller Faszination beobachtete ich dies Treiben noch eine Weile. Momente, wie dieser, sind rar.
Das Reich der Natur besteht aus voller Überraschungen. Jedes Geschöpf, egal ob Pflanze oder Tier ist ein Wunder für sich selbst. Doch werden die meisten Ereignisse nicht einmal wahrgenommen, obwohl diese unmittelbar in der nähesten Umgebung der Menschen geschehen. Die Menschen haben einfach verlernt genau hinzusehen. Dabei umgibt uns Mutter Natur und wir kommen täglich mit Ihr in Berührung.

Gedanken reihten sich an Gedanken. Ein letztes Mal nahm meine Person die Gestalt des Nagetiers ins Auge und fokussierten dies Geschöpfe. Mein Blicke erhob sich und meines Mund Form verzog sich zu einem sanften Lächeln. Voller innerlicher Zufriedenheit und Freude drehte ich mich zu meinen Mannen um.  Ruhigen Schrittes ging ich auf diese zu und ihnen wurde wieder meine ganze Aufmerksamkeit zuteil.   Es sei keine Zeit zu verlieren! Denn, der Zaunbau zu Spielfeld muss schließlich weitergehen..

Euer Gruppenkommandant