Ein Tag zum Gedenken

Lautes Knallen von Vorderladergewehren, Granatenexplosionen, weit entferntes Artilleriefeuer, Blut, zerfetzte Körperteilen, Rufe nach dem Sanitäter, Lagemeldungen, das strenge Brüllen von Befehlen..

Das grässliche Geräusch quietschender Angeln eines nahen ehernen Tores riss den jungen Krieger aus seinen tiefen Gedanken.
Der erfahrene Herr Wachtmeister öffnete langsam seine blauen Augen.
Sein erster Blick traf die große steinerne Tafel unweit vor ihm.
Er ließ seine Augen langsam über die Granitplatte schweifen.
Jeder Letter wurde von erfahrenen Steinmetzen in den polierten Marmor eingearbeitet.
In großen, goldenen, hochgotischen Buchstaben waren die unzähligen Namen der gefallenen Soldaten, welche lange vor der Dienstzeit des jungen Herrn Wachtmeisters ihr Leben in den Kriegen um ihre Heimat gegeben haben, eingraviert.

Es war ein kalter Herbsttag und der Nebel versperrte hartnäckig den Weg der Sonnenstrahlen.

Der junge Unteroffizier kniete vor dem Mahnmal. Der Boden war taunass und kühl.
Der junge Soldat streckte seine behandschuhte Hand aus und berührte vorsichtig und voller Ehrfurcht die steinerne Oberfläche des Denkmals.
Es waren so viele Namen!

Er nahm sich jedes Jahr Zeit um den Gefallenen zu gedenken.
Ohne ihr Opfer wäre das Land des ehrfürchtigen Wachtmeisters nicht zu dem lebenswerten Staate geworden, welcher dieser heute ist.
Der junge Herr Wachtmeister beschrieb das Zeichen des Kreuzes vor seiner Brust und stand danach langsam auf. Er blickte noch einmal voller Ehrfurcht über das Mahnmal vor sich, bevor er sich dem Neuankömmling hinter sich zu wand.

Sichtlich überrascht ersah der achtsame Herr Wachtmeister eine uniformierte Gestalt. Die Tellerkappe des Soldaten war tief in sein hartes Gesicht gezogen, dennoch konnte der erfahrene Unteroffizier die dunklen, glänzenden Augen des Neuankömmlings erkennen. Es waren die Augen eines alten Freundes!
Sie kannten sich schon sehr lange Zeit. In den unzähligen Einsätzen und Übungen entstand zwischen den beiden Unteroffizieren ein starkes Band der Freundschaft.

Sein Kamerad verharrte am Gittertor der umfriedeten Fläche und nickte dem adretten Herrn Wachtmeister zu.
Es war wieder Zeit um in die Kaserne einzurücken. Die Kolonne war abmarschbereit und wartete nur mehr auf den jungen Unteroffizier.

Am eisernen Tore angekommen, wand sich der gedächtige Soldat nochmals dem steinernen Denkmale zu.
Voller Wehmut, ließ der erfahrene Unteroffizier einen letzten Blick über den Friedhof schweifen.
Sie sollten nicht umsonst ihr Leben gegeben haben!
Nun liegt es an seinen Gefährten und ihm, den Frieden in seinem geliebten Heimatland zu wahren.

Euer Gruppenkommandant