Ein ganz normaler Diensttag

PERSONEN:

  • Herr Wachtmeister, Grpkdt der 2.Grp/II.Zg
  • Wachposten der Kaserne
  • Wachkommandant der Kaserne
  • Rekrut, GWD der 2.Grp/II.Zg
  • Rekrut ohne Barett, GWD der 2.Grp/II.Zg
  • Zgkdt, Kommandant des II.Zg
  • Vizeleutnant

Die Szene ist die Kaserne des jungen Herrn Wachtmeisters, das Haupttor der Kaserne, der Exerzierplatz, die Kanzlei der Zgkdt sowie der Parkplatz der Heeresangestellten.

ERKLÄRUNGEN:

  • Grpkdt → Gruppenkommandant
  • Zgkdt   → Zugskommandant
  • Kp         → Kompanie
  • StaKo   → Standeskontrolle

ERSTER AUFZUG
Erste Szene
Am Haupttor.

(Der junge Herr Wachtmeister, der Wachposten, der Wachkommandant)

(Der junge Herr Wachtmeister geht auf das Tor der Kaserne zu. Ein, dem Herrn Wachtmeister unbekannter Wachposten steht vor dem Tore Wache.)

Der Wachposten. ­­­Halt! Heute ist er Wachdienst mal erschwert.
Drum bleibt der Durchgang Euch verwehrt!

(Drängt sich zwischen Unteroffizier und Tor, grimmiger Blick)

Herr Wachtmeister. Guten Morgen. Was ist passiert?
Einen schlechten Scherz Ihr hier serviert!
Mein Arbeitsplatz, der ist da drinnen!
(Deutet mit der Hand auf das Kp-Gebäude)
Soll ich etwa klettern über der Mauern Zinnen?


Der Wachposten. Stop! Haltet ein mit dieser Tat!
Ich geb Euch einen besseren Rat.
Um jeden Zweifel zu ersticken im Keim.
Zeigt mir Eure Karte und tretet ein!

(Der junge Herr Wachtmeister zeigt dem engagierten Wachposten seinen Dienstausweis.)

Der Wachposten. (Besieht den Ausweis)
Und mit diesem Wisch wollt Ihr Euch Eintritt wohl erkaufen!
Aber nix da! Der Ausweis ist ja abgelaufen.

(Der Wachkommandant tritt auf)

Herr Wachtmeister. Oh, mein gnädig Herr. Das tut mir leid!
Aber ich schwör Euch einen Eid!
(Blickt zum Wachkommandanten)
Fragt bitte den Wachkommandant in Gottes Gnaden
Und meine Zugehörigkeit hierher, wird er Euch sagen!

(Der Wachposten redet mit dem Wachkommandanten)

Der Wachposten. Edler Kommandante, mein.
Kennet Ihr diesen Recken, der möchte treten ein?

(Wache deutet auf den jungen Herrn Wachtmeister)

Der Wachkommandant. (Voll erfreut)
Natürlich kenn ich diesen Knaben!
Öffnet das Tor und lasst Ihn rein, den Kameraden.

(Das Tor geht auf und der junge Herr Wachtmeister tritt ein und geht in Richtung des Kp-Gebäudes)

Der Wachkommandant. (Der Wachkommandant ruft dem Herrn Wachtmeister nach)
Ich wünsche noch einen schönen Tag und tue die Verzögerung gar beteuern,
Aber, vergesst nicht Euren Ausweis zu erneuern!

ZWEITER AUFZUG
Erste Szene
Standeskontrolle.

(Der junge Herr Wachtmeister, die 2.Gruppe des II.Zg, der Rekrut)

(Bei der Standeskontrolle. Der Taghabende liest die Anwesenheitsliste vor. Die Gruppenkommandanten gehen durch die Reihen der Rekruten und begutachten den Schuhputz. Der junge Herr Wachtmeister bleibt vor einem Rekruten stehen.)

Herr Wachtmeister. Herr Rekrut,  was haben Sie am Schuh?
Keine Pasta drauf und schmutzig noch dazu!
Nach dem Abtreten schnell rauf in die Stube.
Und zur Hand, Schuhputzzeug und Tube!
Haben Sie noch Frage?
Dann brauchen Sie’s mir nur zu sagen!

(Der Rekrut geht schneidig in Grundstellung)

Rekrut. Selbstverständlich! Wachtmeister, mein Herr!
Aber leider meine Creme, die ist leer.

Herr Wachtmeister. Um Himmels Willen, wie kann das sein!
Die Dose war ja gar nicht klein!
Eine Lösung hab ich gar geschwind,
Zum Soldheim läufst du wie der Wind!
Dort können Sie gegen Geld eine Dose wohl erstehen,
Und müssen nie wieder mit dreckigen Schuhen zur StaKo gehen.

Rekrut. Herr Wachtmeister, noch eine Frage.
Welche liegt mir schwer im Magen.
(Zögernd, kurze Pause)
Ich glaub, ich wag es:
Jetzt oder im Laufe dieses Tages?

Herr Wachtmeister. (Verärgert über die Frage des Rekruten)
In der nächsten langen Pause,
Wenn die anderen verspeisen ihre Jause!
Dann bekommen Sie ein paar Minuten Zeit!
Das ist Ihre einzige Gelegenheit!

Rekrut. Jawohl!

(Der junge Herr Wachtmeister geht weiter, der Rekrut geht wieder in die erleichterte Grundstellung)


Hinterhofgeschäfte

Bevor der junge Herr Wachtmeister den Hinterhof betrat, hielt er kurz in seiner Bewegung inne, streifte seinen beigefarbenen Uniformrock faltenfrei und glättete sich mit seiner linken Hand jene Haare welche der Wind zerzaust hatte.

In seiner Kinderstube wurde ihm dieses Verhalten anerzogen. Bevor er einen Raum betrat, in welchen er eine wichtige Entscheidung zu treffen hatte, korrigierte der adrette Herr Wachtmeister steht’s seine Adjustierung. Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.

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„Eine Geschichte in vier Teilen“ oder „Das fremde Mädchen“

Teil I:
Die Alm

Die warmen Strahlen der Sommersonne schmeichelten dem kantigen Gesicht des adretten Herrn Wachtmeisters. Er hatte die letzen Tage und Nächte auf der Almhütte eines seiner treuesten Recken verbracht.

Kein geringeres Bedürfnis als die Erholung hatte ihn veranlasst das rege Treiben im Tale hinter sich zu lassen und die Abgeschiedenheit der Berge aufzusuchen.

Alles auf diesem Fleckchen Erde blühte und gedieh prächtig, man hätte es all zu leicht mit dem Garten Eden verwechseln können.

Der junge Herr Wachtmeister saß auf einen alten verwitterten Holzschemel und beobachtete fasziniert die Vogelpärchen, welche in der umliegenden Natur fröhlich vor sich hin zwitscherten.

Auf der Almwiese, welche sich vor dem Blockhaus erstreckte, tanzten Admiräle zwischen den Wildblumen. Die facettenreichen Flügel dieser zarten Geschöpfe verschmolzen mit den Farben der Blütenblätter zu einem imposanten Farbspektakel.

Das Wetter war klar und die Luft rein, dennoch war das Herz des naturliebenden Soldaten schwer.

Teil II:
Des Wachtmeisters Zuhause

Alles Schöne hat meist ein jähes Ende, so auch der Kurzurlaub des erquickten Herrn Wachtmeisters. Der Soldat öffnete behutsam die hölzerne Türe seines Unterkunftgebäudes und ersah sofort das Chaos.

Sein Getier hatte in seiner Abwesenheit die Räumlichkeiten seiner Behausung verunstaltet. Zerbrochene Tonkrüge und eingedellter Zierrat lagen kreuz und quer in der kleinen Behausung des nun verärgerten Herrn Wachtmeisters.

Er atmete tief ein und ließ seinen Odem langsam entweichen. Im Nue war der Ärger verflogen und der junge Recke machte sich sofort an die Arbeit. Nach dem alles aufgeräumt war, betrat der Soldat sein Gemach. Doch sein Hoffen auf Ruhe wurde zu Schanden gemacht.

Der müde Soldat wollte sich gerade in seiner Bettstatt langlegen, als plötzlich jemand an die schwere Holztüre polterte.

Der genervte Unteroffizier öffnete langsam die Pforte zu seiner hölzernen Baracke und ersah einen treuen Recken. Sein Freund ward gekleidet in edelster Lederhose und seinen Oberkörper bedeckte ein Hemd aus feinster Wolle.

Der junge Wachtmeister ahnte nun, welches Anliegen sein Freund am Herzen trug.

Euer Gruppenkommandant

Grauer Himmel – Große Stadt

Der zweite Brief:

Meine geliebte Maid,

Die letzten zwei Wochen in der Hauptstadt vergingen schneller als erwartet. Dienstlich war viel zu erledigen, da ich diese Weiterbildung im Lauf meines Einsatzes benötigen werde.
Trotzdem waren, in jeder freien Minute, meine Gedanken stets bei dir.

Einmal nach Dienst holte ich mir am Bahnhof in der Nähe einen Fahrschein und fuhr mit der alten Dampflokomotive tief ins Herz der Stadt.
Ich traf mich dort mit einem Bekannten, den ich schon längere Zeit nicht mehr gesehen hatte.
Obwohl die Freude groß war, ihn wieder zu sehen, war ich doch wieder froh die Großstadt hinter mir zu lassen.
Du kennst mich doch, Städte sind nichts für mich.
Ich liebe die Abgeschiedenheit der Berge und das kalte Wasser der kristallklaren Gebirgsseen.

Des Weiteren schätze ich mich glücklich diese Gegend bald wieder zu verlassen.
In den vergangenen Tagen zeigte sich der Feuerball keinen einzigen Moment, da ein eisiger Wind unentwegt graue Wolkenberge über den gesamten Himmel verteilte.
Das Wetter ließ die Umgebung noch trostloser und eintöniger wirken.
Es wäre so schön gewesen, wenn du die Tage bei mir hättest verbringen können. An meiner Seite, da wo du hingehörst.

Doch, so Gott will, endet meine Zeit hier, in Kürze.
Der nächste Halt meiner Reise führt mich bereits ins Einsatzgebiet.

Dein, dich über alles liebender, Gemahl

 

Euer Gruppenkommandant

Die trostlose Zeit des Wartens

Der junge Herr Wachtmeister schrieb alle Texte der Reihe „Briefe aus der Ferne“ kurz vor bzw. während seines Aufenthaltes im Einsatzgebiet, welches sich weit von seinem Heimatlande entfernt befindet.
In den kurzen Geschichten schildert der junge Unteroffizier seine ersten Eindrücke und Gedanken.
Alle Texte sind an des Wachtmeisters Maid adressiert, welche sich das Ende des Einsatzes herbeiwünschte als dieser noch nicht einmal begonnen hatte.

Der erste Brief:

Meine geliebte Maid,

Uns trennen nun schon zwei Wochen, zwei kalte Wochen.
Kalt nicht nur aufgrund der Tatsache, dass mir deine Liebe fehlt, sondern auch aufgrund der klimatischen Bedingungen an meinem momentanen Garnisonsort.
Ich schreibe dir diesen Brief in meiner dienstfreien Zeit, über welche ich nur begrenzt verfüge.
Ich sitze am hölzernen Tische meiner Stube und mein Blicke führt vom vergilbten Stück Pergament vor mir, über den Herrgottswinkel des spärlich möblierten Raumes, durch das mit Eisblumen verzierte Fenster, hinaus in die Ferne.
Ich sehe in der Ferne den hohen Gipfel eines verschneiten Berges.
Er thront majestätisch über der kleinen, malerischen Stadt, in welcher die Zeit still zu stehen scheint.
Doch meine Zeit hier nähert sich ihrem Ende.
Der nächste Halt meiner Reise führt mich in die Hauptstadt meines Landes.

Dein, dich über alles liebender, Gemahl

 

Euer Gruppenkommandant

Frühlingsgedanken

Pünktlich, keinen Tag zu früh, keinen Tag zu spät, offenbart der junge Herr Wachtmeister euch, werte Leser, sein Frühlingsgedicht.

Zu seinen Gedanken:

Am Rand des Feldes,
Mein Blicke schweift,
In der Ferne seh ich nur des Gletschers Eis.
Weiß und glänzend übers Jahr,
Des Baches Wasser rein und klar.

Durch der Frühlingssonne warme Strahlen,
Enden langsam des Winters Qualen.
So lang die Notzeit jetzt auch war,
Des Frühlings Rückkehr ist schon nah.

Die Natur erwacht,
Man spürt die Kraft,
Es ist allein des Frühlings Macht.

 

Euer Gruppenkommandant

Ein Tag zum Gedenken

Lautes Knallen von Vorderladergewehren, Granatenexplosionen, weit entferntes Artilleriefeuer, Blut, zerfetzte Körperteilen, Rufe nach dem Sanitäter, Lagemeldungen, das strenge Brüllen von Befehlen..

Das grässliche Geräusch quietschender Angeln eines nahen ehernen Tores riss den jungen Krieger aus seinen tiefen Gedanken.
Der erfahrene Herr Wachtmeister öffnete langsam seine blauen Augen.
Sein erster Blick traf die große steinerne Tafel unweit vor ihm.
Er ließ seine Augen langsam über die Granitplatte schweifen.
Jeder Letter wurde von erfahrenen Steinmetzen in den polierten Marmor eingearbeitet.
In großen, goldenen, hochgotischen Buchstaben waren die unzähligen Namen der gefallenen Soldaten, welche lange vor der Dienstzeit des jungen Herrn Wachtmeisters ihr Leben in den Kriegen um ihre Heimat gegeben haben, eingraviert.

Es war ein kalter Herbsttag und der Nebel versperrte hartnäckig den Weg der Sonnenstrahlen.

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Die Heimkehr

Lange Zeit war vergangen seit der edle Recke das letzte Mal in seiner eigenen Bettstatt verbracht hatte.
Nach den erholsamen Ruhestunden erhob sich der Soldat aus seinem Lager und streifte sich den aus Baumwolle bestehenden Waffenrock über.
Schnellen Schrittes verließ er sein Gemach und eilte in das Kochabteil seiner soldatischen Behausung.
Wasser wurde durch Feuer zum sieden gebracht und durch Pulver aus maurischen Bohnen gefiltert.
Das Ergebnis dieses Filtervorganges war eine heiße und köstliche Tasse welche bis zum Rand hin mit schwarzem maurischem Bohnensude gefüllt war.
Der erquickte Unteroffizier nahm das mit Silber verzierte Behältnis in seine Hand und betrat den Garten seines Anwesens.
Am kurzgeschnittenen Rasen stand ein großer aus edlem Holze bestehender Tisch.
Rings um die Tafel standen verzierte Holzstühle.
Der junge Herr Wachtmeister nahm auf einen der Sessel Platz und ließ seinen Blick schweifen.
Er genoss die Aussicht.
Von der Anhöhe, auf welcher sein Holzhause stand konnte er den ganze See überblicken.

Zufrieden, dass er wieder zu Hause war, lehnte der junge Unteroffizier sich zurück und nahm einen großen Schluck des heißen Trankes.
In diesen Moment schmeckte der ungezuckerte, schwarze Sud besser als der Nektar auf Elysium.
Er war wieder zu Hause.

Euer Gruppenkommandant

Wachtmeister – Die Verwandlung

Der junge Herr Wachtmeister

Die folgende Geschichte ereignete sich nur wenige Wochen nach „Schatten seiner Selbst“ und ist somit der zweite Teil der Reihe:
„Die Leiden des jungen Wm.“.

Nun zur Geschichte:

Der junge Herr Wachtmeister fühlte sich in der letzten Zeit etwa seltsam. Es gab einige Gründe die den jungen Recken zum Nachdenken anregten.
Immer mehr Personen seiner Gefolgschaft sagten ihm, dass er sich verändert habe.

Natürlich, dachte der nachdenkliche Soldat, war die Abdankung seiner „Kommandantin“ nicht spurenlos an ihm vorübergegangen. Doch meinte der Soldat, er habe diese Angelegenheit schon überwunden.

Aber da der mutige Unteroffizier immer wieder zu hören bekam, dass er wieder normal werden solle weil er in letzter Zeit unausstehlich geworden war, beschäftigte ihn diese Thematik wieder mehr denn je und jede freie Minute seines harten Dienstalltages verbrachte er in tiefer Nachdenklichkeit.

Eines Abends, als der müde Herr Wachtmeister sich nach einem arbeitsreichen Diensttages, welchen dieser in einem zerstörten Bergdorfe verbrachte, in sein Bette legte, konnte er anfangs nicht zur Ruhe kommen.

Der nachdenkliche Soldat drehte sich von einer Seite seines Lagers zur anderen. Immer wieder ging er in Gedanken die Sätze seiner Gefolgschaft durch.

Habe er sich wirklich verändert?

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Schatten seiner Selbst

Vorwort:

Gestern vor einem Jahr trennten sich die Wege des Herrn Wachtmeisters und seiner damaligen Weggefährtin.

Der junge Soldat unterscheidet sehr stark zwischen einer Weggefährtin und einer Freundin.
Eine Weggefährtin begleitet jemanden nur für gewisse Zeit. Nur wenige Monate oder Jahre.
Eine Freundin hingegen durchlebt die Stadien der Verlobten und der Ehefrau.

Obwohl der junge Herr Wachtmeister wusste, dass es nicht für immer sein würde, traf ihn die Trennung härter als von ihm selbst erwartet.

Es war eine schwere Zeit für den trauernden Soldaten, aber es bringt nichts an einer verschlossenen Türe zu klopfen. Für jede Türe die sich schließt, öffnet sich eine andere.

Nun  zur Geschichte:

Es ward zu später Stunde, als der junge Herr Wachtmeister durch die dunklen, nur von dem Lichte seiner Lampe erhellten Gänge der soldatischen Behausung wandelte.
Die versilberte, im Lichte der kupfernen Lampe düster schimmernde Wanduhr schlug Mitternacht.

Von jeder Kraft verlassen, erreichte der erfahrene Unteroffizier die hölzerne Treppe, welche in das obere Geschoss der Baracke führte.

Seine Füße fühlten sich schwer wie Blei an, während der junge Herr Wachtmeister die hölzerne Treppe des Gebäudes empor ging.
Die Eichenholzstufen knarrten trotz des geringen Gewichtes des ermatteten Soldaten.
Die letzten Wochen hatten ihre Spuren am Körper des müden Herrn Wachtmeisters hinterlassen.

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